Maggi, Knorr und Konsorten – Lanzenbruch für’s Selberkochen

Für mich ist Einkaufen immer wieder ein Aufregefaktor, wenn ich in die Einkaufswagen anderer Leute gucke. Was sehe ich: nur Fertigprodukte in Dosen, Plastikverpackungen und Gläsern. Und dann die unsäglichen Tütchen. Über die möchte ich hier schreiben. Die meterlangen Regale angefüllt mit in Tüten abgefülltem Pflanzenfett, denaturiertem Pflanzeneiweiß und Geschmacksverstärker, werden leer gekauft.

Gerade jüngere Leute, wie ich in meinem Bekanntenkreis bemerken muss, haben eine große Scheu davor ‚wirklich selber richtig zu kochen‘ und Gewürze zu verwenden.

Und alles fing an mit Liebigs Fleischextrakt – die Weiterentwicklung seines 1852 hergestellten Fleischinfusums – aus dem später der nette kleine Brühwürfel wurde. Liebigs Fleischextrakt war tatsächlich noch aus Fleisch gemacht. Es ist ein hochkonzentrierter Extrakt aus Rindfleisch. Ein Kilogramm der tiefbraunen, zähen Paste wird aus 30 Kilogramm Muskelfleisch ohne weitere Zutaten hergestellt. Doch seine tolle Erfindung, die in einer Zeit von Armut, Krankheit und Hunger gegen eben diese Erleichterung schaffen sollte, hatte leider nicht den durchschlagenden Erfolg, den sich Liebig erhoffte: Die Herstellung und damit das Endprodukt waren zu teuer. Zu teuer gerade eben für die Leute, die es gebraucht hätten.

1909 bot Maggi erstmals Brühwürfel an, die statt Fleischextrakt Würze aus denaturiertem Pflanzeneiweiß enthielten. Diese Würze hat einen an Fleisch erinnernden Geschmack und kostet weniger als Fleischextrakt, so dass sich „Maggi-Würfel“ und vergleichbare Produkte von Knorr und anderen gegenüber den „Liebig-Würfeln“ durchsetzen konnten und heute fast ausschließlich angeboten werden.
Brühwürfel enthalten in der Regel kein Fleisch mehr.
Ein paar Generationen weiter und wir sind bei den Tütchen.

Gewürze, höre ich immer wieder von verschiedenen Seiten, seien ja sooo teuer. Ich habe mal eine simple Rechnung gemacht:
Ein Tütchen Gewürz-und geschmacksersatz von einer der oben genannten Firmen kostet je nach Angebot 49 Cent bis 1 Euro 29. Wenn ich mal einen mittleren Preis von 80 Cent nehme und davon ausgehe, dass pro Haushalt pro Woche zwei bis drei Tütchen verbraucht werden…
Natürlich ist die Rechnung sehr vereinfacht, aber trotzdem bin ich der Meinung, zeigt sie eine Tendenz auf. Nun gut, nehme ich einmal zwei Tütchen als Grundlage, dann haben wir 1 Euro sechzig pro Woche mal 52 macht 83 Euro 20 pro Jahr. Nehme ich hingegen drei Tütchen pro Woche als Rechengrundlage komme ich auf 124 Euro 80 pro Jahr. Ich bin mir sicher es gibt Haushalte, die noch mehr Tütchen pro Woche verbrauchen, aber belassen wir es dabei.
Wisst ihr wieviele ‚geile‘ Gewürze ihr von diesem Geld kaufen könnt? Nein, ich habe unsere Gewürze nicht auf einmal gekauft, sondern nach und nach. Genauso wie andere die Tütchen nach und nach einkaufen. Mit dem kleinen Unterschied, die Gewürze sind nicht nach einmal ‚kochen‘ alle , sondern reichen für etliche Speisezubereitungen.
Ihr braucht diese teuren Tütchen nicht, glaubt mir. Kochen mit Gewürzen kann jede/r (lernen).

Der Zeitfaktor wird auch als Argument ins Feld geführt.

(Fortsetzung, Verbesserung  und Aufhübschung des Artikels folgt.)